Praktikum an der DSBA von Thomas Carl
Ein promovierter Praktikant in seinen späten Fünfzigern an einer christlich geprägten Deutschen Auslandsschule für Mädchen in einem arabischen Land, in einer in die Jahre gekommenen antiken Weltstadt, deren Fassade bröckelt und Struktur modert.
Zu viele Widersprüche? Mitnichten. Die Deutsche Schule der Borromäerinnen Alexandria – meine Wahl für das Berufspraktikum im Rahmen des DaF/DaZ Studiums an der PH Freiburg. Eine gute Wahl, die sich für mich gelohnt hat, denn während meines knapp dreimonatigen Aufenthalts war ich eingebunden in das quirlige Schulleben mit Unterricht, Projekten und Ausflügen, aus denen reichlich Erfahrungen und Erkenntnisse zu schöpfen waren. Allerdings in einer fordernden Zeitphase: ein Monat Ramadan, Ende des Schuljahres, einsetzende mediterrane Sommerhitze. Das bedeutete übernächtigte, den Ferien entgegenfiebernde Schülerinnen bei lärmenden Klimaanlagen. Nichts ist einfach, aber alles ist möglich.
Die Organisation und Durchführung meines Praktikums an dieser als exzellent ausgezeichneten Schule verlief leise und rund, was in meinen Augen auf das solche Institutionen kennzeichnende, gut abgestimmte Räderwerk aus Schulleitung, Verwaltung und Lehrkollegium zurückzuführen ist. Ich fühle mich befugt zu dieser Feststellung, da ich in meinem Alter Schule mit anderen Augen wahrnehme. Anders als zur eigenen, anders als zur Schulzeit der eigenen Kinder, anders als junge Lehramtsstudierende. Schule lehrt einen, junge Menschen zu verstehen. Die bemerkenswerteste Beobachtung während des ähnlich einer Querschnittsstudie angelegten Praktikums war die Persönlichkeitsentwicklung der Mädchen von der ersten Klasse bis zum Abitur. Die Veränderung ihres Verhaltens im Unterricht, ihrer Motorik und Gestik, ihrer Haltung zur Lehrperson, die Entwicklung ihres Selbstbewusstseins. Wie sie lernen, in ihrem wachsenden sozialen Umfeld sprachlich zu kommunizieren, wie sie in die Rolle einer Frau hineinwachsen und sich damit ihr Gebaren ändert.
Ich bin dankbar für die Freundlichkeit der Lehrkräfte, mich hospitieren, assistieren und eigenen Unterricht geben zu lassen. Eine Fokussierung auf eine Auswahl war zwar unumgänglich, trotzdem konnte ich mir einen guten Einblick verschaffen, wie unterschiedlich Unterricht abhängig von der Jahrgangsstufe, vom Fach und von der Lehrperson ausfällt. Zu Tränen rührend in der ersten Klasse bei Frau Nadja Kamal, der warmherzigsten Lehrerin mit dem strengsten Blick, als die Kinder auf die Frage „Wisst ihr was ‚funkeln‘ bedeutet?“ mit lautem „Jaaaa, das haben wir in Musik gelernt“ antworteten und die ganze Klasse anfing zu singen „Blinke, blinke kleiner Stern“. Mit einprägsamen Eselbrücken für die deutsche Grammatik von Frau Monika Osman, und – obwohl sie sich selbst als höchst unmusikalisch einschätzt – ihrer Eigenkomposition als dem vorläufigen Eselbrücken-Höhepunkt „Mit Artikel mit N, ohne Artikel ….“ (mach Dich unsterblich, Monika und schreib‘ bitte das Buch der „Eselsbrücken für die deutsche Grammatik“). Toleranz, Kritikfähigkeit und Weltoffenheit fördernd im Sinne des Leitbildes der Schule mit authentischen Unterrichtsmaterialien und mutigen Diskussionen in den Oberstufenklassen von Herrn Heinrich Wöhrlin. Anschaulich erlebbar, wie das Motto „Time to Grow” in der Abfolge der Sketchproben der 6a für den Deutschen Kulturabend. Entschuldigen muss ich mich für den hartnäckigen Ohrwurm „Fata Morgana“, hoffe aber, dass mit ihm die Lernziele meines fachübergreifenden Studienprojektes mit den Klassen 7a und 7b in den Köpfen verankert bleiben. Besonderen Dank an die Lehrkräfte für ihre Projektunterstützung und Applaus den Schülerinnen, die es nicht geschafft haben, dass ich sie nicht mehr mag, haha.
Durch die Bereitschaft der Kollegen, ihr Wissen, ihre Erfahrungen und Einschätzungen in zahlreichen Nachbesprechungen und informellen Rauchereckengesprächen zu teilen, habe ich mich willkommen gefühlt. Und so mache ich mich auf den Heimweg, nicht ohne meinerseits den Schülerinnen eine Erfahrung weiterzugeben, die mir bei den vielen gehörten Referaten, Buchvorstellungen und Präsentationen in den Sinn kam: was man sagt wird erst dann zur Wirklichkeit, wenn die anderen es verstehen.
Keep your smile. One always meets twice. Da freu’ ich mich drauf.